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1892: Das Schützenfest wird verboten

Das Jahr 1892 war für das Wennigser Schützenwesen ein sehr bedeutsames. Aufgrund verschiedener Unregelmäßigkeiten und Probleme beim Verlauf und der Organisation des Schützenfestes, das bis 1892 offensichtlich jedes Jahr gefeiert worden war, sah sich der Gemeindeausschuss [der Gemeinderat im 19. Jahrhundert] genötigt, die Feier des Festes im Sommer 1892 zu unterbinden. Als Alternative wurde ein allgemeines Volksfest für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Provinzial-Deister-Leine-Zeitung berichtete am 27. Juni 1892: „Da bei dem hier seit langer Zeit alljährlich abgehaltenen Schützenfeste sich verschiedene Missbräuche und Ungehörigkeiten eingeschlichen hatten, so ist durch Beschluss des Gemeindeausschusses die Genehmigung zur Abhaltung desselben nicht wieder erteilt worden und gleichzeitig beschlossen, ein allgemeines Volksfest zu feiern.“

Die organisatorische Form und die Verteilung auf drei Veranstaltungstage erinnert dabei stark an das Freischießen: „Wie bestimmt verlautet wird das bereits schon längere Zeit geplante Volksfest am Sonntag, den 26., Montag, den 27. und Dienstag, den 28. Juni d.J. abgehalten. Der Festzug bewegt sich Sonntagnachmittag 3 Uhr durch folgende Straßen: Kaiserstraße, Klosteramtshof, Neustadt, Untere Texasstraße, Deisterstraße zum Festplatze; am Montagnachmittag 2 1/2: Kaiserstraße (Schützenhof), Steinweg, Obere Texasstraße, Deisterstraße zum Festplatze, am Dienstagnachmittag 2 ½ Uhr: Abmarsch der Musik vom Schützenhof zum Festplatze. Diejenigen Einwohner von Wennigsen, welche am Feste teilnehmen und mit ausmarschieren wollen, können die näheren Bedingungen beim Herrn [Gemeinde-]Vorsteher Hartmann einsehen.“ So die Provinzial-Deister-Leine-Zeitung vom 21. Juni 1892.

Offensichtlich war die Tradition des Schützenfestes aber bei vielen Einwohnern fest verankert, die dem neuen Fest dementsprechend zunächst reserviert begegneten, sich dann jedoch von der allgemeinen Begeisterung mitreißen ließen. So berichtete die Lokalzeitung über den Verlauf des Volksfestes am 27. und 29. Juni 1892: „Obgleich diese Idee anfänglich manchem Widerspruche begegnete, so ist es doch dem besonders zu diesem Zwecke gewählten Festkomitee gelungen, die Sache ins Werk zu rufen. Die hiesige Einwohnerschaft hat denn auch, nachdem der Gedanke einmal Wurzel geschlagen, mit lobenswerter Eintracht alles getan, um das Fest würdig zu begehen. Am Sonntagmorgen in aller Frühe, sah man viele geschäftige Hände die Ausschmückung der Straßen durch Ehrenpforten und Girlanden sowie der Häuser mit Fahnen und Kränzen, vollführen und macht auch unser Ort dadurch einen feierlichen Eindruck.“

Anscheinend war das Schützenfest bis zum Jahr 1892 noch wesentlich stärker auf das Schützenwesen und eine geringere Zahl Aktiver beschränkt gewesen. Hierbei hatte es Probleme gegeben. Welcher Art diese Probleme waren, finanzielle Unregelmäßigkeiten, Disziplinlosigkeiten, Schlägereien, Trunkenheit oder was auch immer, ist nicht mehr festzustellen. Sie waren aber Grund genug für den Gemeinderat, die Umgestaltung des alten Festes zu einem allgemeinen Volksfest zu versuchen. Ein Versuch, der - wie man bis heute sieht - von Erfolg gekrönt war. Die Provinzial-Deister-Leine-Zeitung betonte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder den besonderen Volksfestcharakter des historischen Wennigser Schützenfestes. Knapp 50 Jahre später, im Juli 1939, wurden die drei Tage als „althistorisches Schützenfest“ und vor allem als „unser hiesiges Volksfest (früher Schützenfest)“ bezeichnet und angekündigt: „auch in diesem Jahr soll es nicht nur ein Schützenfest, sondern ein Heimatfest im wahrsten Sinne des Wortes werden.“

Möglicherweise sind in Folge der Unregelmäßigkeiten zu Beginn der 1890er Jahre auch Teile der alten Schützenkette von 1858 abhandengekommen. Dieses würde erklären, warum die heutige Schützenkette erst mit dem Jahr 1900 beginnt.

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Letzte Änderung am: Sonntag, 04.03.2012