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Der Wiederbeginn im Jahr 1954

Nachdem der Krieg und die folgende Zeit der britischen Militärherrschaft keinen Gedanken an ein erneutes historisches Schützenfest zuließen, fanden sich 1952 interessierte Bürger um den noch amtierenden Schützenkönig von 1939, August Kaltebra, zusammen, um wieder ein Freischießen vorzubereiten. Nach vielen organisatorischen Mühen konnte es schließlich vom 26. bis 29. Juni 1954 stattfinden. Um die Bevölkerung und vor allem die vielen Neubürger, die als Flüchtlinge oder Vertriebene in den Ort gekommen waren, für das Fest zu gewinnen, wurde mächtig die Werbetrommel gerührt und eigens ein Programmheft von der Schützengesellschaft herausgegeben. Der Erfolg ließ dann auch nicht auf sich warten, wie sich einer der Mitinitiatoren von damals erinnert: „Die Bevölkerung hat das Fest sofort wieder angenommen. Die Begeisterung war sofort wieder da, wie vor dem Kriege ... Man musste damals nur darauf aufmerksam machen, dass das Fest mit einem Kriegsspiel - wie manche es annehmen konnten - überhaupt nichts zu tun hat. Auch wenn Gewehre getragen wurden; das hatte ja nicht sofort wieder was mit Krieg zu tun. Das war zunächst einige Überzeugungsarbeit, denn vom Krieg wollte damals keiner mehr etwas wissen.“
Das größte organisatorische Problem war in den 50er Jahren die Beschaffung der Pferde. Vor dem Krieg hatte das keine Probleme gemacht, da noch viele Landwirte Ackerpferde hielten, die dann zum Fest von den Offizieren geritten wurden. Durch die zunehmende Modernisierung und den wirtschaftlichen Aufschwung hatten viele Landwirte bereits Traktoren gekauft und die Pferde abgeschafft. So mussten Pferde zum Teil aus Nienburg und Wunstorf geliehen werden. Auf diese Art und Weise kam es dazu, dass in den 50er und frühen 60er Jahren viele Auswärtige unter den Mitwirkenden waren, die für das Verleihen ihrer Pferde zumindest einen Adjutantenposten verlangten. Ein weiteres Problem war die Beschaffung von Gewehren. Vor dem Krieg hatte jeder der Mitwirkenden sein eigenes Gewehr zu Hause gehabt. Diese waren alle 1945 an die britische Militärbehörde abgeliefert worden. Die Lösung brachte der damalige „Kriegsminister“ Busch, der in seiner Möbelfirma eine große Anzahl Holzgewehre fertigen ließ. Die Organisation der Garden wurde 1954 weitgehend den bereits bestehenden Vereinen übertragen - eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt. Die Fußballer übernahmen es, die Garde „Jäger“ wieder aufzustellen, die Handballer stellten den Großteil der Garde „Weiß“, und die anderen Vereine schlossen sich zur Garde „Grenadiere“ zusammen.
Ein weiteres, ganz erhebliches Problem war die Rekonstruktion des traditionellen Festablaufs. Der amtierende Schützenkönig war zwar noch da, aber das Offizierskorps von 1939 hatte sich aufgelöst, viele waren im Krieg gefallen. Einer der damals führenden Männer erinnert sich: „Gott sei Dank waren die alten Hauptleute noch da, und kannten auch noch die alten Kommandos. [...] Das war ganz wichtig, weil sonst ja der ganze Ablauf gefährdet gewesen wäre. Der ganze Verlauf und die Kommandos wurden uns damals von den ‘Alten’ mündlich übertragen.“ Wie immer begannen die Übungen der Kompanien Wochen vor dem Fest, doch 1954 war es besonders schwierig, „denn es waren letztlich alles Neue, die in den aktiven Kompanien mitgemacht haben. Die hatten alle noch nie ein Schützenfest gemacht - bis auf die wenigen Hauptleute. Wir Jüngeren haben damals viel von den Älteren gelernt. Heute wird das so hingenommen, wenn eine Änderung geschieht, das merkt ja keiner. Als wir das damals übernommen haben, da standen die alten Bauern und beobachteten uns, ... ... an der Spitze. „Junge, dat haste aber falsch emaket.“ Dann sind wir da hingegangen und haben gefragt: „Was war denn falsch?“ Und so hat sich das Stück für Stück eingeprägt. Die Kommandos haben wir damals zum ersten Mal aufgeschrieben, damit die Leute die lernen konnten.“
So wurde die Tradition des historischen Schützenfestes mit dem Fest von 1954 mit großem Erfolg wiederbelebt. Der Erfolg war so groß, dass die folgenden Feste im Abstand von nur zwei Jahren 1956 und 1958 abgehalten wurden.


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Letzte Änderung am: Sonntag, 04.03.2012